Kann man so sehen – TwitterLiebe

Auf Wunsch eines einzelnen Twitterers (@DK_FineArt möchte namentlich nicht genannt werden) gebe ich hier mein DM-Gehacke an ihn über dieses Twitterkennenlerngedöns so wieder, und zwar so, wie Gott (also ich) es schuf. Mit allen Dingsen, Fehlern und Bumsen.  Kritik gerne, aber bitte nicht an mich, ich habe da freiwilliges Personal für (@DK_FineArt). Ich könnte das jetzt auf tausend Varianten relativieren, will es aber nicht, weil es einen Funken Wahrheit in sich trägt und das für mich den Gedanken rechtfertigt. Sollte das wider Erwarten trotzdem irgendwen spontan verliebt machen, bin ich gern unter meiner Chiffre (@DK_FineArt) zu Flirts bereit.

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Gruß & Kuss,

Emo

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Die Verschwörung der Nudelsuppenwäscherei

AUSSEN – SCHÖNHAUSER ALLEE – MITTAG

Katerstimmung.

Ich bin am Verhungern, doch Hilfe naht. Meine ganz spezielle Rettung an diesem zum Kotzen schönen Sonntag inkarniert sich in Form des 12-Uhr-Sesam-Öffne-Dich der heimelig quietschenden Pforten des vietnamesischen Eckimbisses und dem noch drei Blöcke weiter präsenten betörenden Duft seiner (Zitat Bedienung): ‚Original-authenthisch-traditionell-kulinarisch-hausgemachten-leckerlecker-Nudelsuppe‘ namens Pho-Bo.

Der Barkeeper im Schwarzsauer hat mich vor drei Stunden zunächst in Engelsruhe, dann mit eher mittelzarter, aber zugegebenermaßen durchaus verdienter Bestimmtheit hinterm Tresen weggekehrt, und ich habe mir, sanft blaugefleckt, die Zeit bis zum Geschäftsbeginn des fernöstlichen Schlaraffenlandes damit vertrieben, auf der Bierbank vor meinem Lieblingsspäti die Reste der testosteron- und amphetamingeschwängerten Partyjugend aus der Vorstadt unter den wackligen Tisch zu saufen. Nun sitze ich endlich als erster Kunde bei Phong, dem Koch/Inhaber/Kassierer/Schankwirt/Rausschmeißer des Imbisses, und futtere nebst meiner vierten, mühsam mit drei zähflüssigen Mangolassi runtergespülten Ibuprofen800 eine dieser katerkillenden und 1A darmdurchspülenden Pho-Bo-Reisnudelsuppen.

Genauer gesagt, ich bin ganz kurz davor.

Die Pho-Bo nämlich ist eine hinterhältige Suppe mit höchst eigenwilligem Charakter.

Sie kommt unschuldig und gemütlich mit dem freundlich nickenden Geschnatter der buntbewamsten Bedienung in einer Schale daher, in der man ohne Weiteres einen mittelgroßen Säugling baden könnte, und täuscht dann erstmal mit einem monumentalen Haufen Tüdelkram ringsrum hart rechts an: Limetten, Chilischoten, unzählige Kräuter und ein drehbarer Blechweihnachtsbaum, an dem 42 Soßentöpfchen voll verlockendster Düfte bammeln, geben meinem whiskygeschundenen, nur noch aufs Fressen gepolten Hirnüberbleibsel sphingische Rätsel auf.

Dies ist die erste Angriffsphase der Pho-Bo: Verwirrung.

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Man sitzt eine Weile bedröppelt und vollkommen ratlos vor all der duftig-dampfenden Pracht, fasst probehalber alles mal kurz an und fragt sich höchst philosophische Dinge, wie beispielsweise: „…?“, bevor man beginnt, gedankenverloren aus dem Fenster zu starren und sich mit seinen von einem Hauch Limette und Chili delikat aromatisierten Fingern die Augen zu reiben. Nach den darauf für gewöhnlich folgenden, mit drei bis vier TsingTao runterzuspülenden fünf Phasen des Todes (Wutausbruch, Rumgeheule, Wutausbruch, hektische Augenpulerei, Wutausbruch), setzt vom Hunger getriggert so eine Art nervöse Übersprungshandlung ein, und man beginnt, wie eine geschenkbandentwirrende Comicfigur im Zeitraffer, alles, aber auch wirklich ALLES in diese gigantisch-rätselhafte Schüssel zu feuern.

Es folgt die zweite Angriffsphase der Pho-Bo: Tarnung & Täuschung.

Man meint sodann vollkommen irrigerweise, dass dieses nunmehr in allen Farben des Regenbogens sößchengebatikte Gebräu, nachdem man es eine halbe Stunde unter Kräutern, Limettenfetzen und Chillischnippeln begraben hat, eine Temperatur angenommen haben müsste, die nicht der des in einer Gulaschkanone kochenden Hinterns irgendeines vietnamesischen Dämons gleicht, und man nun ein erstes Löffelchen kosten könnte. Das ist natürlich axiomatisch falsch, gehört aber zum durchtriebenen Konzept.

Die Wahrheit ist: Mit der nun wie ein sanft wogendes Wasserkräuterbeet im Bergfrühling friedlich daliegenden Suppe könnte man viele lustige und durchaus erfreuliche Dinge anstellen (Bleigießen etwa, oder ein Mars frittieren) – essen kann man sie noch lange nicht.

Unter ihrer dünnen grünbunten Camouflage, die sie vollkommen ohne militärischen Eigenaufwand und absolut arbeitskostenneutral vom ahnungslosen Esser – dem Feind höchstselbst – verpasst bekommen hat, ist sie.. naja… eben noch ein klitzekleinwenig zu wärmelig.

Das führt uns zur dritten Angriffsphase der Pho-Bo: Tempo.

Während die Zunge des unfreiwilligen, mittlerweile bis zur geistigen Vernebelung hungrigen Suppenkunsthandwerkers beim früher oder später unweigerlich stattfindenden ersten Kosten das tragische Schicksal des oben erwähnten hypothetischen Mars-Riegels teilt, ist spätestens beim dritten Löffel die Temperatur des nur heiß genießbaren Schaleninhaltes um gefühlte 73° C gefallen.

Nun gilt es, so schnell wie möglich mittels des mitgelieferten Porzellanlöffels, der die orale Ergonomie eines Kaminbriketts besitzt, und zwei Stäbchen, die beim Auseinanderbrechen ein ungefähr so gleiches Paar ergeben wie Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito in ‚Twins‘, das sich in den unergründlichen Tiefen des Suppentopfes befindliche Nudelgewirr irgendwie in den seit einer quälenden Unendlichkeit immer wässriger werdenden Mund des der Pho-Bo zum Opfer gefallenen dem Brodem Geweihten zu verfrachten.

Es folgt die vierte und letzte Angriffsphase der Pho-Bo: Blanke Feuerkraft.

Damit meine ich nicht, was Sie jetzt denken. Die verdauungsfördernde Wirkung des durch rote Soßen und bunte Kräutlein mittlerweile die Brennenergie waffenfähigen Urans angenommen habenden Süppchens kann durchaus wohltuend und gesund sein; Nein, es ist vielmehr die durchtrieben kalkulierte Überlänge der an sich recht harmlosen Nudeln, die den Mund des diese nunmehr gierig und unter erwähntem Warmhaltezeitdruck verschlingenden armen Irren zu einer Art abgesägten Chili-Shotgun machen.

Wäre ich Inhaber so eines Nudelsuppe verkaufenden Imbisses wie Phong ihn hat – und Gott weiß: Wäre ich Inhaber eines Imbisses, wäre das ein Nudelsuppe verkaufender Imbiss -, wäre ich also, so wie Phong, Inhaber eines solchen Imbisses, würde ich die hohe Kunst erlernen, aus der Anordnung der sich unweigerlich auf Hemden, T-Shirts und Hosen ausbreitenden Suppenspritzer die Zukunft vorauszusagen. Und reich werden. Und glücklich. So wie Phong. Der Inhaber dieses Nudelsuppe verkaufenden Imbisses.

Jetzt aber hocke ich hier, in Phongs blödem Nudelsuppenimbiss, es ist Sonntag Mittag, ich bin verkatert und etwas mürbe im Kopf vom TsingTao und all den Ibuprofen, bekleckere mich von oben bis unten mit dieser Militärwaffe von einer Suppe, bestelle inzwischen doch wieder ein Lassi nach dem anderen, weil ich mir einbilde, davon meine Zunge wieder zu spüren, und Phong, dessen dämlicher Nudelsuppe verkaufender Imbiss das hier wie gesagt ist, wird reich und glücklich. Denn Phong, also der Besitzer dieses scheißarschverkackten Imbisses, muss gar nicht die Zukunft lesen können, um reich und glücklich zu werden. Seiner Frau gehört nämlich, also der Frau von Phong, dem HECKENPENNER, dem dieser GOTTVERDA..

Ich habe, glaube ich, einen kleinen Schwips.IMAG1195

Während ich in den letzten Zügen der Pho-Bo so vor mich hin brodele, äußerlich äußerst unansehnlich bekleckert, aber innerlich endlich halbwegs satt, und auf meine unweigerlich folgenden Bauchschmerzen warte, stellt mir Phong, der Besit.. stellt mir also mein Freund Phong einen Pflaumenwein hin, der mich wieder halbwegs auf den Damm bringt.

Ich zahle großzügig meine Zeche und gehe, wie immer, nachdem ich bei Phong essen war, nach nebenan. Dort ist die Wäscherei von Phongs Frau, die mich freundlich begrüßt, trotzdem ich sie blöd anglotze, mein bekleckertes T-Shirt ausziehe und ein paar zerknitterte Zettel zur Herausgabe meiner gewaschenen Hemden aus diversen Taschen hervorpolke.

Während ich dabei bin, meine Arme höchst artistisch im Shirt zu verknoten und meine Nase am engen, nicht über den Kopf schlupsen wollenden Kragen wundzuscheuern, kommt langsam und zäh der unvollendete Schlussgedanke meines vorherigen Wutausbruchs zurück.

‚Eine Wäscherei gekoppelt an einen Nudelsuppe verkaufenden Imbiss…‘

‚Eine Wäscherei gekop…‘

Das ist es!

Ich laufe äußerst grazil mit dem Shirt überm Kopf gegen den Tresen und kippe geschmeidig in die Bügelwäsche.

DAS ist das Geheimnis von Phongs freundlicher Miene und seinem glücklichen Reichtum: Nudelsuppe verkaufen und die sich automatisch daran anschließende Schadensbegrenzungsdienstleistung gleich mit monopolisieren!! Und nicht irgendeine Nudelsuppe! So ein Hundsfott von Nudelsuppe, die Pho-Bo nämlich, die ein normaler mitteleuropäischer Körperklaus, noch dazu wenn er ein klitzekleines Bisschen verkatert ist, überhaupt gar nicht essen KANN, ohne danach seine sämtlichen Klamotten für teuer Geld in die Hände eines Reinigungsfachmannes zu geben. Er verlässt den Imbiss, triefend wie ein Baby nach dem Bäuerchen, schaut betreten an sich hinunter, dann wieder hoch, und was sehen seine von dem ganzen Chiligedöns noch tränenden Augen? DIE WÄSCHEREI VON PHONGS FRAU!!

Das clevere Weib weiß natürlich ganz genau um die Wirkung der Nudeln in Phongs Suppe, und ich fresse einen Besen, wenn der Umsatz der Wäscherei nicht eins zu eins davon abhängt, wie viele nudelsuppenunkundige Nichtvietnamesen bei ihm ihre hellen Sommersachen mit Pho-Bo vollpropellern.

Und die Schaufel fresse ich noch dazu, wenn diese durchtriebenen Geschäftsleute nicht extra zu diesem Zweck BESONDERS lange Nudeln herstellen, exklusiv für uns vertrottelte Nichtnudelprofis.

Vielleicht hängt da ja sogar eine ganzer Zweig der vietnamesischen Unterhaltungsindustrie per versteckter Kamera mit drin, möglich ist da verdammt nochmal einfach alles, bei so viel kreativer Energie; man muss das im Auge behalten.

Ich fluche etwas tuberkulös in mich hinein, rapple mich nicht ganz ohne Mühe sowie unter einigem Würdeverlust schwerfällig auf und versuche, Phongs Frau wütend anzustieren.

Hm.

Das Problem an so tiefschürfenden Erleuchtungen über das innere Wesen der Welt ist bei mir nun leider, dass die Freude über die Erkenntnis derart außerordentlicher Dinge und die damit verbundene intellektuelle Leistung meinerseits mich allen Beteiligten des finsteren Komplotts gegenüber immer irgendwie äußerst milde und nachsichtig stimmt, da ich das Ganze ja durchschaut habe und es mir somit theoretisch nichts mehr anhaben kann.

Ich bin gewissermaßen Nudelsuppenwäschereiverschwörungsimmun geworden.

Phongs Frau mein schönstes Sonntagslächeln schenkend schnappe ich also, nicht merkend, dass ich immer noch barbrüstig in ihrem engen Nähstübchen stehe, meine wieder neusuppentaugliche Wäsche, stolpere mit wiedergewonnener Energie und Freude am Imbissleben aus der Wäscherei heraus und postwendend wieder in Phongs Nudelsuppe verkaufenden Imbiss hinein.

„He Phong! Neue Leinwände!! Was gibt’s denn so Feines zum Nachtisch?“

Ich glaube, ihn wissend grinsen zu sehen.

 

Kinder, Karl und Korn

AUSSEN – PRENZLAUER BERG – ABEND

Jetzt noch aufn Sprung in Hausschlappen beim Kaiser’s vorbei, schnell was Abendbrotiges… keine Chance. Der Dauerregen hat offensichtlich nicht nur meinen Kühlschrank leergespült.

So stehe ich feucht beschlappt in der Schlange, knabbere schon mal an so einem Brötchen2.0 namens Panini Rustico und lasse den Blick schweifen. Hübsche, junge Menschen mit gesundem Grünzeugs unterm einen und noch gesünderen Kindern unterm anderen Arm lassen mich leise und deutlich wissen, dass ich nicht mehr dazugehöre. Die Sonne hat sich am späten Nachmittag zum ersten Mal seit drei Tagen wieder gezeigt, und jetzt, wo sie schon fast wieder untergegangen ist, hat der sommerliche Wein-und-was-Leichtes-Appetit der wetterfühligen Birkenstockmamis und -Papis seinen Höhepunkt erreicht.

Ich kämpfe mich in der überfüllten Gemüseabteilung zu den Bananen vor und ernte böse, von mir ohne weiteres biologisch abbaubare Blicke, weil ich nicht die teuren mit den Flecken nehme. Wenn dieser Markt einen offiziellen Leitspruch hätte, dann wäre der wahrscheinlich sowas in der Richtung: ‚Tod durch den selbstgewebten Leinenstrang dem, der es wagt, mit sowas Profanem wie Brot, Knacker und Zwiebeln an der Kasse aufzukreuzen!‘ Ich verstecke meine Hausmachersülze dezent unter zwei Flaschen Berliner.

Die vorbeigeschleppten Kinder schauen mich groß an und lachen, wenn ich ihnen Grimassen schneide, so lange zumindest, bis die Eltern mich säuerlich mustern und ihnen erklären, was Gut und Böse ist. Fast hätte ich auch gern so eins, dann könnte ich selber… Nee… — Ich vertreibe den Gedanken.

Dann sehe ich meinen Freund Karl in der anderen Schlange, gebe meinen leichten Vorsprung auf, der an meiner Kasse sowieso nie was wert ist, und rollere mein rotes Einkaufsrollerdings zu ihm rüber. Karl ist Fischverkäufer der alten Garde, mit eigenem nordisch verbeultem Imbissanhänger, riecht also in dieser Reihenfolge nach Tabak, Bier und Fisch, und erdet mich sofort aufs Angenehmste.

In seinem Rollerdings liegt ein Sack Kartoffeln und ebenfalls zwei Berliner nebst einer Flasche Korn, weil morgen Sonntag ist. Er erzählt von seinem anstehenden Umzug nach zwei Ecken weiter und schimpft auf seine verzogenen Gören, die sich zu schade sind, mal ne halbe Stunde mit anzupacken, woraufhin ich ihm voller Mitgefühl meine Hilfe anbiete. Da wir aber beide wissen, wie das enden würde, lehnt er ab, und wir beschränken uns darauf, zu kosten, ob der Korn noch gut ist, und, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, auf die Was-soll-nur-aus-ihr-werden-Jugend zu prosten.

Nachdem wir beide dem netten Mädchen an der Kasse zum tausendsten Mal völlig erfolglos schöne Augen gemacht haben, nicken wir uns in einer ehrlichen, auf genau richtiger Distanz basierenden Zuneigung zu, und schaukeln jeder unserer Wege; der eine nach links, der andere nach rechts.

Wir haben beide das wohlige Gefühl, für heute unsere sozialen Verpflichtungen und Bedürfnisse voll und ganz erfüllt zu haben, und nur diese dussligen, großen Kinderaugen, die irgendwie immer noch in meinem Kopf rumkullern, machen mich ein bisschen melancholisch.

Als ich schon über die Kreuzung bin, höre ich, wie eine Tüte mit ziemlich viel Glas drin reißt und bedauere meinen armen Karl, der schwerfällig umdreht, um das ganze Spiel nochmal von vorne zu beginnen. Ich würde ihm gerne zur Seite stehen, aber ich muss an die Schreibmaschine, meine nächsten Panini Rustico verdienen.